Blickpunkt Schule 4 2026

Damit gute Schule gelingt Der geschäftsführende Vorstand des hphv im Gespräch mit der Hessischen Landesschülervertretung

W ie erleben Schülerinnen und Schüler den Schul alltag? Wo sehen sie dringenden Handlungs bedarf? Und welche Erwartungen haben sie an die Bildungspolitik? Über diese und weitere Fragen sprach der geschäftsführende Vorstand des hphv mit Vertretern der Hessischen Landesschülervertretung, Laurenz Spies, Ted Krämer und Luca Dobrita. Nach einer Vorstellungsrunde ging es schnell um kon krete Fragen des schulischen Alltags. Im Mittelpunkt stand zunächst der Hitzeschutz an Schulen und anschließend die digitale Ausstattung sowie die Bedeutung digitaler Bil dung. Hitzeschutz: gute Lernbedingungen auch bei hohen Temperaturen Hohe Temperaturen stellen Schulen zunehmend vor He rausforderungen. Wenn sich Klassenräume im Sommer stark aufheizen, leiden Konzentrationsfähigkeit und Leis tungsvermögen der Schülerinnen und Schüler ebenso wie die Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte. Im Gespräch wurde deutlich, dass es hier verlässliche und praxistaugliche Lösungen braucht. Hitzeschutz darf nicht von den jeweiligen baulichen Gegebenheiten einer Schule oder den Möglichkeiten des einzelnen Schulträgers abhän gen. Vielmehr müssen Schulen in die Lage versetzt werden, auf extreme Temperaturen angemessen zu reagieren. Digitale Ausstattung: Der Flickenteppich muss ein Ende haben Intensiv diskutiert wurde auch die digitale Ausstattung der Schulen. Noch immer gibt es keine einheitlichen Bedingun gen. Schulen und Kommunen setzen teilweise auf unter schiedliche technische Lösungen. Besonders deutlich wird dies bei den schulischen Mail systemen. Je nach Schule gelten unterschiedliche Systeme und Zugänge. Für Schülerinnen und Schüler ebenso wie für Lehrkräfte bedeutet das: Was an der einen Schule pro blemlos funktioniert, kann an der nächsten Schule völlig anders organisiert sein. Digitale Infrastruktur gehört inzwischen zur Grundaus stattung von Schule. Deshalb braucht es aus Sicht des Ver bandes sowie der Schüler- und Schülerinnenvertretung landesweit verlässliche und möglichst einheitliche Lösun gen – sowohl bei den Geräten als auch bei Software, Platt formen und Kommunikationssystemen. Die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren zeigen: Digitalisierung darf nicht als Sammlung einzelner Projekte

verstanden werden. Sie braucht eine nachhaltige Strategie, klare Standards und eine verlässliche Finanzierung. Der Di gitalpakt 2.0 ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Baustein. Digitale Welt darf keine freiwillige AG werden Besonders kritisch diskutierten die Gesprächsteilnehme rinnen und -teilnehmer die Entwicklung des Faches ‘Digi tale Welt’. Der hphv hatte die Einführung als reguläres Unterrichtsfach von Beginn an unterstützt. Umso bedauer licher ist es, dass das ursprünglich im Koalitionsvertrag von CDU und SPD vorgesehene landesweite Angebot nun auf den Bereich Ganztag ausgerichtet werden soll. Für den hphv ist das eine verpasste Chance. Digitale Bildung ist heute eine zentrale Bildungsaufgabe. Schülerinnen und Schüler müssen sich nicht nur technisch in der digitalen Welt zurechtfinden. Sie müssen auch ler nen, Informationen kritisch zu bewerten, Social Media re flektiert zu nutzen und Chancen und Risiken künstlicher Intelligenz einzuschätzen. Fragen des Datenschutzes, der Datensicherheit und des verantwortungsvollen Umgangs mit digitalen Medien gehören ebenfalls dazu. »Der Bedarf bei der Schülerschaft ist groß«, bekräftigen die Vertreter der Landesschülervertretung. Umso wichtiger ist es, dass digitale Bildung nicht davon abhängt, ob eine Schule ein entsprechendes freiwilliges Ganztagsangebot einrichten kann. Digitale Bildung muss als Bildungs- und Erziehungsauf trag verbindlich in Schule verankert werden. Der hphv fordert deshalb weiterhin, ‘Digitale Welt’ ver bindlich in den Jahrgangsstufen 5 und 6 einzuführen. Ein reguläres Unterrichtsfach würde zudem die Schulen ent lasten. Statt dass jede Schule eigene Konzepte entwickelt, könnte ein landesweit verbindlicher Rahmen geschaffen werden. Schulen nicht gegeneinander ausspielen Kritisch ist auch die Vorstellung, dass einzelne Schulen künftig selbst Prioritäten setzen müssen, wenn es um digi tale Angebote im Ganztag geht. Wenn ein begrenztes An gebot geschaffen wird, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob dafür beispielsweise Sport, Musik oder andere Angebote zurückgestellt werden müssen. Damit würden die Schulgemeinden unter zusätzlichen Entscheidungsdruck geraten, obwohl die grundlegende Frage eigentlich auf Landesebene beantwortet werden

54 Zu Gast beim hphv SCHULE 4|2026

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