Blickpunkt Schule 4 2026

nannt und praxistaugliche Verände rungen konsequent umgesetzt wer den. Gerade für Lehrkräfte liegt der Wert des Buches darin, dass es aktuelle Argumente für Schulentwicklung jenseits bloßer Digitalisierung liefert. Wer allerdings ein technisches Hand buch für KI oder eine Sammlung un mittelbar einsetzbarer Unterrichts rezepte erwartet, wird nur bedingt fün dig. Vedder bietet eher einen Orientie rungsrahmen und zahlreiche Impulse für die Frage, wie Lernen grundsätzlich anders organisiert werden könnte. Durch die hphv-Verbandsbrille ge lesen, gibt es dabei durchaus einige Schnittmengen. Auch wir gehen da von aus, dass KI Schule schnell und nachhaltig verändern wird. Wir sehen erheblichen Fortbildungsbedarf, for dern angemessene Ressourcen und klare Regelungen und halten eine Überprüfung der bisherigen Prü fungsformate für notwendig. Gleich zeitig warnen wir davor, dass Sprach- und Schreibkompetenz, kritisches Denken, Problemlösefähigkeit und ei genständiges Arbeiten geschwächt werden könnten, wenn KI unreflektiert eingesetzt wird (unter anderem nach zulesen in einer hphv-Pressemittei lung vom 1. Juli 2025) . In einem Punkt unterscheiden sich die Akzente allerdings. Vedder wirbt ausgesprochen offensiv für einen Kul turwandel hin zu mehr Selbstorgani sation, Partizipation und Offenheit. Aus hphv-Sicht würden wir diesen Wandel stärker an Verbindlichkeit, Fachlichkeit, Professionalisierung und geeignete Rahmenbedingungen kop peln. Schule ist eben nicht nur Lern- und Gestaltungsraum, sondern auch Schutzraum und Leistungsort. Deshalb reicht es nicht, Schule le diglich ‘neu zu denken’. Wer mehr in dividualisiertes und selbstständiges Lernen ermöglichen will, muss auch die Voraussetzungen dafür schaffen: kleinere Klassen und Kurse, mehr Zeit, Fortbildung und eine realistische personelle und finanzielle Ausstat tung. Allerdings wäre es falsch, Vedder an dieser Stelle einen naiven Reform

fung zum Gelingensnachweis’ stellt er alternative Formen des Leistungs nachweises vor und wirbt dafür, Leis tung stärker über authentische Pro dukte, Lernprozesse und eigenverant wortliches Arbeiten sichtbar zu ma chen. Man muss dabei nicht jede vor geschlagene Lösung übernehmen. Ich muss allerdings zugeben: Das Durch denken dieser Alternativen ist aus gesprochen anregend – und hat bei mir an dieser wie auch an anderen Stellen durchaus eine gewisse Re formlust geweckt. Auch für die konkrete Unterrichts praxis bleibt deshalb einiges hängen: offenere und zugleich klar struktu rierte Aufgaben, mehr Verantwortung bei den Lernenden sowie Lernarran gements, in denen Zusammenarbeit und Reflexion selbstverständlich wer den. Unterricht sollte stärker so ge plant werden, dass Schülerinnen und Schüler selbst denken, planen, ent scheiden, prüfen und präsentieren. Vielleicht liegt darin eine der wich tigen Anregungen des Buches. Die zentrale Planungsfrage lautet nicht: »Welche App kann ich einsetzen?«, sondern: »Welche Form des Lernens bringt meine Schülerinnen und Schü ler wirklich ins Denken und Handeln?« Schule zwischen KI und Kreidestaub ist damit ein engagiertes und praxis nahes Plädoyer für einen Lernkultur wandel. Nicht jede Forderung wird man teilen müssen, und aus hphv Sicht erscheinen manche Ansätze op timistischer und offener, als wir sie formulieren würden. Gerade deshalb lohnt die Lektüre aber: Das Buch zwingt dazu, vertraute Strukturen zu hinterfragen, ohne fertige Antworten vorzuschreiben. Meine eigene Position ist nach der Lektüre etwas nüchterner als Vedders ausgesprochen innovationsfreundli cher Ansatz. Seiner grundlegenden Frage muss man allerdings uneinge schränkt zustimmen: Wenn sich die Lebens- und Arbeitswelt durch Digi talisierung und KI grundlegend ver ändert, kann Schule nicht einfach bleiben, wie sie ist. Volker Hahl | stellvertretender Bezirksvorsitzender Darmstadt

INFO

Rezensionen

Jan Vedder: Schule zwischen KI und Kreidestaub – Ein Leitfa den für Lernorte mit Zukunft | Kohlhammer, 2026 | 237 Seiten | ISBN 978-3-17-047026-2 | Preis 24,00 Euro

optimismus zu unterstellen. Auch er macht deutlich, dass eine neue Lern kultur nicht allein aus guten Ideen entsteht. Sie benötigt Zeit, Aus tausch, Fortbildung und Rückhalt im Kollegium. Ebenso plädiert er nicht für einen unkontrollierten Einsatz von KI, sondern für Transparenz und einen didaktisch begründeten Umgang da mit. KI soll Lernprozesse unterstützen und nicht das eigene Denken erset zen. Insofern liegen seine Positionen und die des hphv letztlich weniger weit auseinander, als es zunächst scheinen mag. Besonders spannend wird dieser Unterschied bei der Leistungsbewer tung. Aus hphv-Sicht stellt sich immer dringlicher die Frage, wie individuelle Leistung angesichts generativer KI noch fair und verlässlich festgestellt werden kann. Analoge Klausuren wer den deshalb wieder an Bedeutung ge winnen; in mündlichen Prüfungen dürfte das klassische Prüfungs gespräch wichtiger werden. Auch Prä sentationsprüfungen und besondere Lernleistungen müssen daraufhin überprüft werden, inwieweit Eigen ständigkeit noch zuverlässig feststell bar ist. Vedder denkt hier deutlich reform orientierter. Im Kapitel ‘Von der Prü

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