Blickpunkt Schule 4 2026
Bild: David|AdobeStock [KI-generiert]
Rezensionen
Wenn Schule auf Ideen bringt
W enn Schule auf Ideen sondern eine umfangreiche Samm lung von Gedanken, Bildern, Praxis beispielen und Zukunftsentwürfen. bringt ist kein klassisches pädagogisches Fachbuch,
rauf, die Schwächen des gegenwärti gen Schulsystems aufzuzählen. Er zeigt vielmehr, dass Schule auch an ders gedacht werden kann: mit mehr Eigenverantwortung, kreativen Lern prozessen, offenen Aufgaben, pro jektorientiertem Arbeiten und einer veränderten Rolle der Lehrkraft. Lehr kräfte wären dann weniger reine Wissensvermittler und stärker Lern begleiter, Berater und Gestalter geeigneter Lernumgebungen. Das Buch ist sehr abwechslungs reich und visuell ansprechend gestal tet. Es erinnert eher an ein kreatives Magazin als an ein wissenschaftliches Lehrbuch. Man kann darin blättern, einzelne Ideen herausgreifen und sich von Beispielen aus unterschiedlichen Schulen inspirieren lassen. Gerade für Schulentwicklung, Fortbildungen oder Gespräche im Kollegium bietet es vie le interessante Denkanstöße. Allerdings liegt in dieser Vielfalt auch eine Schwäche. Die einzelnen Beiträge ergeben kein geschlossenes pädagogisches Konzept. Manche Aus sagen bleiben allgemein und wirken eher wie Visionen denn als praktisch umsetzbare Vorschläge. Forderungen nach mehr Kreativität, Selbstständig keit und individualisiertem Lernen klingen, wenn auch nicht neu, so doch überzeugend. Im Schulalltag stellen sich jedoch schnell konkrete Fragen:
Diese Diagnose ist nicht neu und uns sehr wohl seit einiger Zeit be kannt. Die besondere Stärke des Bu ches liegt jedoch darin, dass Sommer das Thema nicht ausschließlich aus der Perspektive von Lehrkräften oder Bildungswissenschaftlern betrachtet. Er bezieht bewusst Menschen aus Kreativwirtschaft, Wissenschaft, Unternehmertum und internationaler Schulpraxis ein. Dadurch entstehen ungewöhnliche Blickwinkel auf Fragen wie: Wie sollten Lernräume gestaltet sein? Welche Rolle übernehmen Lehr kräfte? Wie kann Leistung anders bewertet werden? Wie lässt sich Krea tivität systematisch fördern? Und welche Möglichkeiten bieten digitale Technologien? Inhaltlich beschäftigt sich das Buch unter anderem mit Lernkultur, Schul organisation, der Rolle von Lehrkräf ten und Eltern, neuen Unterrichts methoden, alternativen Bewertungs formen und dem Einsatz innovativer Technologien. Ergänzt werden die theoretischen Überlegungen durch Praxisbeispiele und die Vorstellung von zehn Schulen aus drei Kontinen ten, die bereits andere Formen des Lernens und der Schulorganisation erproben. Beim Lesen hat mich besonders die positive Grundhaltung angesprochen. Der Autor beschränkt sich nicht da
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Grundlage ist die von Leonard Sommer ini tiierte Initiative Class room Thinktank , für die mehr als 100 Krea tive und Bildungsvor
Classroom Thinktank
denker aus 35 Ländern ihre Vorstel lungen von einer zeitgemäßen Schule beigesteuert haben. Das Buch ist eher ein anregender Ideenraum, der dazu auffordert, vertraute Strukturen – nicht nur im deutschen Bildungssys tem – zu hinterfragen. Nicht jeder Vorschlag ist unmittelbar umsetzbar, doch viele Gedanken verdienen eine ernsthafte Diskussion. Ausgangspunkt des Buches ist die These, dass sich Gesellschaft, Ar beitswelt und Kommunikation durch Digitalisierung und Globalisierung stark verändert haben, während Schule in vielen Bereichen noch nach den Strukturen des Industriezeitalters funktioniere. Unterricht sei häufig auf Anpassung, Wissenswiedergabe und Fehlervermeidung ausgerichtet. Krea tivität, Eigeninitiative, Zusammen arbeit und problemlösendes Denken würden dagegen zu wenig gefördert.
SCHULE 4|2026
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