Blickpunkt Schule 4 2026

Mit Hilfe von KI korrigieren?

KI stellt eine neue Möglichkeit dar, Kolleginnen und Kollegen bei der Korrektur zu entlasten. Ungeachtet dessen bleibt unsere Forderung, dass der Dienstherr ausreichend Ressourcen und Entlastungsstun den im System bereitstellen muss, damit gerade Lehrkräfte mit zwei Korrekturfächern ihre Korrekturen im Sinne einer Verhältnispräventi on langfristig – auch ohne KI – bewältigen können, ohne dauerhaft zu erkranken. Seit einiger Zeit gibt es Anbieter, die für Lehrkräfte spezielle KI Dienstleistungen anbieten, um die Korrektur zu unterstützen. Diese Anbieter bieten KI-gestützte Vorkorrekturen von Schülerarbeiten an. Stellvertretend für diese Anbieter stellt Bildung aktuell ‘edaira’, früher ‘Notencopilot’ vor, da CEO Rebecca Timmermann gleichzeitig auch seit Januar 2026 Schulleiterin an einer Gemeinschaftsschule mit Oberstufe in Schleswig-Holstein ist.

Titelthema

ZUR PERSON

Rebecca Timmermann, Edaira CEO und Schulleiterin an einer Gemeinschaftsschule mit Ober stufe in Schleswig-Holstein

? Wie kamen Sie als Schulleiterin dazu, zusammen mit Ihrem Mann auch noch ein Startup zu gründen? REBECCA TIMMERMANN: Das war ursprünglich gar nicht beabsichtigt. Ich bin auf einer KI-Fortbildung ge wesen, das hat mir die Augen dafür geöffnet, was mit dieser neuen Tech nologie alles möglich ist. Mich der Gedanke nicht losgelassen, dass man mit dieser modernen Technolo gie vielleicht auch etwas Gutes im Bildungssystem erreichen kann – zum Beispiel Lehrkräfte entlasten, die dadurch, dass sie so viel korrigie ren müssen, schon sehr belastet sind. ? Früher hieß Ihre Seite Noten Copilot, jetzt heißt sie edaira. Sie bietet eine KI-gestützte Vor korrektur an. Wie ein Copilot an der Seite der Chefpilotin? TIMMERMANN: Richtig. Die Lehrkraft hat die Hände am Steuer und trägt die Gesamtverantwortung, man nennt das human in the loop. Die KI macht einen Vorschlag, aber der Mensch prüft und trifft die Entscheidung. Das ist die Voraussetzung dafür, dass man solche Systeme in Bildung überhaupt einsetzen darf. ? Was genau leistet denn Ihr Produkt?

TIMMERMANN: edaira entlastet den Korrekturprozess und kanndamit die Qualität des Feedbacks verbessern. edaira übernimmt die Analyse von Sprache, Struktur und Inhalt des Schülertextes und gibt der Lehrkraft so die Chance, sich wieder auf das in dividuelle Feedback zu konzentrieren. ? Welche Sprachmodelle benutzen Sie und mit welchem Content haben Sie sie trainiert? TIMMERMANN: Wir trainieren gar keine Modelle. Das ist auch eine Vo raussetzung dafür, dass wir im Bil dungskontext überhaupt angewendet werden dürfen. Das ist aber natürlich eine Herausforderung – wie macht man es, wenn man nicht trainieren darf? Wir schaffen durch Lehrpläne, Fachanforderungen und die KMK- Bildungsstandards den Kontext, in dem sich dann die verschiedenen KI- Modelle für die unterschiedlichen Auf gaben und Prozesse bewegen dürfen. ? Die Schüler schreiben ja immer noch analoge Klassenarbeiten, die Blätter muss man dann einzeln einscannen. Die Kollegen haben im mer wieder Probleme beim Entzif fern von unleserlichen Handschrif ten. Kann das die KI leisten? TIMMERMANN: In der analogen Welt wandert das Heft mit der schlimms ten Handschrift automatisch nach

unten, weil wir durch dieses Entziffern ganz viel Konzentration verlieren, das würde sonst schon am Anfang total ermüden. Da kann Technologie hel fen, indem gar nicht KI zum Einsatz kommt, sondern eine Texterken nungssoftware. Die kann dann anzei gen, mit wie viel prozentiger Sicher heit das Wort erkannt wurde, die Auf gabe der Lehrkraft ist dann nur noch, die nicht erkannten Wörter zu über prüfen. ? Wie wird denn die Verbindung zwischen Fehler und Korrektur zeichen technisch hergestellt? TIMMERMANN: Es gibt Textzitate aus dem Schülertext, anhand derer man dann sich im Text orientieren kann. Und dann ist es so, dass wir also Rechtschreib-, Grammatik- und Zeichensetzungsfehler entsprechend mit Fußnoten versehen und diese dann am Ende der Arbeit tabellarisch ausweisen. ? Und die Kolleginnen und Kollegen übernehmen dann die Korrekturzeichen und die von der KI unterstrichenen Fehler an oder lehnen sie ab? TIMMERMANN: Ja, genau. Die Ent scheidung, ob die Formulierung so bleibt, ob was rausgenommen wird, ob da noch was hinzugefügt wird, wie das gewichtet wird und auch ob das

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