Blickpunkt Schule 4 2026
Bild: rabbitarm|AdobeStock KI generiet
22 Titelthema SCHULE 4|2026
80 Prozent nutzen bereits KI – was nun? E rster Freitag nach den Ferien, sechste Stunde, die erste Mathestunde des Halbjahres in
soll, prüften die Ergebnisse und steu erten nach, während die KI den ei gentlichen Code schrieb. Und in Eng lisch sollten wir bereits mehrfach Texte nicht nur selbst verfassen, sondern sie anschließend von einer KI anhand der Bewertungskriterien überarbeiten las sen. Im Kurs vergleichen wir anschlie ßend beide Versionen und diskutieren, an welchen Stellen die KI tatsächlich besser formuliert und wo ihr Text das Thema weniger tiefgründig behandel te als unsere eigenen. Gerade der Ver gleich sensibilisiert einen für die Stär ken und Schwächen von KI. Und auch in meiner Arbeit als Lan desschulsprecher höre ich von Schü lerinnen und Schülern Erfahrungs berichte von einigen gelungenen Stunden, aber leider viel zu oft auch von Schulen, an denen KI schlicht tot geschwiegen wird. Mit solchen Positivbeispielen im Hinterkopf ist es bedauerlich, Stim men zu hören, die pauschal urteilen, KI gehöre nicht in die Schule. Dabei will ich die Schattenseiten gar nicht verschweigen, denn nicht immer wird KI in der Schule verant wortungsvoll genutzt. Sei es die Haus aufgabe, die ChatGPT in zwei Minuten erledigt hat, das ‘selbst geschriebene’ Referat oder auch die Klausur, die von einer KI korrigiert wurde. All das gibt es, auf beiden Seiten des Pults, und das ist auch oft nicht zielführend.
meiner Q3. Auf dem Plan stand ein neues Thema, die Stochastik. Für den Einstieg hatte unser Mathelehrer ein Würfelexperiment vorbereitet. In klei nen Gruppen würfelten wir und führ ten Strichlisten, wie oft welche Augenzahl fiel. Daran sollten wir die Begriffe der absoluten und relativen Häufigkeit kennenlernen, sie der theoretischen Wahrscheinlichkeit gegenüberstellen und vor allem das Gesetz der großen Zahlen selbst er leben. Je öfter wir würfelten, desto näher rückten unsere Ergebnisse an das erwartete Sechstel heran. So weit, so klassisch. Doch anstatt wie früher die relativen Häufigkeiten händisch in den Taschenrechner ein zutippen und Säulendiagramme mit Kreide an die Tafel zu malen, ließen wir uns von einer KI eine Excel-Tabelle er stellen. Wir mussten nur noch unsere Würfelergebnisse eintragen, denn die Häufigkeiten wurden durch Excel be rechnet und die Diagramme wurden automatisch erstellt. Innerhalb weniger Minuten konnten wir die Ergebnisse al ler Gruppen vergleichen und sehen, wie sich die relativen Häufigkeiten mit wachsender Wurfanzahl der theoreti schen Wahrscheinlichkeit annäherten. Für mich ist diese Stunde in Erinne rung geblieben, weil sich für mich di
rekt mehrere Vorteile ergaben. Wir konnten uns auf den eigentlichen Kern der Stunde, das Verständnis der stochastischen Grundbegriffe, kon zentrieren. Wie man eine Tabelle an legt oder ein Säulendiagramm zeich net, sollte man in der 13. Klasse schließlich beherrschen. Und ganz nebenbei haben wir auch noch unse ren Umgang mit KI geschult. Solch eine Unterrichtsstunde, in der künstliche Intelligenz sinnvoll einge bunden wird, ist für mich zum Glück kein einmaliges Erlebnis mehr. Im In formatikunterricht etwa widmeten wir uns in einer Stunde dem sogenannten ‘Vibe-Coding’, also dem Programmie ren mit einer KI. Wir übernahmen da bei die Rolle des Projektmanagers, be schrieben, was das Programm können n Laurenz Spies ist Landesschulsprecher von Hessen
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