Blickpunkt Schule 4 2026

gen bekommen wie seit der Zeit, in der es KI gibt. Und noch nie so schlechte Prüfungen.« Wenn wir über Lernen mit KI sprechen, dürfen wir also eines nicht vergessen: Es braucht vor allem Interesse und Motivation. Produktbesprechungen erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Über die sogenannten Affiliate-Links oben erhalten wir beim Kauf in der Regel eine Provision vom Händler. Mehr Informationen dazu unter https:/ www.spiegel.de/extra/affiliate-links auf-spiegel-online-fragen-und-ant worten-a-1245589.html. Denn auch das haben die öffentlich wirksam präsentierten KI-Lerner ge meinsam: Sie wollten und wollen gute Ergebnisse haben! Das ist alles andere als banal. Denn ob man seine Haus aufgaben mit oder ohne KI nicht macht, ergibt keinen Unterschied. In Deutschland verlassen seit Jahren mehr als 50000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss, Tendenz stei gend. Dies spricht eine deutliche Sprache. Es reicht nicht, einer solch katastro phalen Entwicklung eine Vision von sanfter Potenzialentfaltung und gu tem Gedeihen entgegenzuhalten. Aber auch die Dystopie von maximal effizientem Lernen bei totaler Verein zelung durch KI ist hier keine Lösung. Es braucht neue Ansätze der ganz heitlichen Bildung, wie sie in der Tradi tion von Meister Eckhart, Johann Gottfried Herder oder dem ewig als Beispiel herhaltenden Wilhelm von Humboldt erdacht wurden, aber nie konkret umgesetzt worden sind. Da bei sprechen wir von einem Ideal, das in der bildungspolitischen Diskussion rund um neue Medien, Digitalisierung und KI allenfalls eine Glosse im hin teren Bereich des Feuilletons füllen würde. Es ist jedoch relevant, in diesen dynamischen Zeiten nicht nur über Kompetenzsteigerung zu sprechen, die dann durch KI noch effizienter ge staltet wird. Denn das hieße, Bildung rein ökonomisch zu betrachten. Viel mehr müssen wir uns fragen, wo die Technologie uns helfen kann, gesell schaftliche und politische Probleme

Bild: Nature Lens Studio|AdobeStock KI generiet

Titelthema

zu lösen: Das beinhaltet auch die Frage, wie wir es schaffen, den Kom petenzverlust in allen Fächern zu stoppen. Aber eben auch, wie wir das Interesse am Lernen wieder wecken können. Und nicht zuletzt die Lust, sich zu verbessern. Ein Wunderwerkzeug für jeden, der weiß, was er will und wie er es will Als Antwort auf diese Fragen wäre es zu einfach, in den Chor einzustimmen, der regelmäßig mehr Ressourcen, Personal und Fortbildungen fordert. Auch wenn dieser richtig ist. Schwieri ger, aber notwendig ist es, das vor handene Know-how bestmöglich zu nutzen. Das bedeutet, dort, wo das Lernen durch KI effizienter gestaltet werden kann, dies auch mutig zu tun und diejenigen einzubinden, die es schon tun. Es geht nicht in erster Linie nur darum, Wissen zu vermitteln. Be geisterung zu wecken, wird zuneh mend eine der wichtigsten Aufgaben von Lehrkräften. Weiterhin muss Schule Orientierung geben. Sie ist da für da, Ziele zu markieren, die man ansonsten gar nicht kennen würde. Schulen sind auch Orte der Zusam menarbeit zwischen Menschen. Hier können Kinder und Jugendliche ler nen, dass es andere Meinungen gibt, die eine Zumutung sind und genau deshalb zum Weiterdenken anregen. Genau das stärkt auch nach der Schu le den Zusammenhalt. KI ist vor allem eine Bestätigungsmaschine. Deshalb

werden Irritation und Dissonanz zu nehmend wichtiger für einen gelun genen Bildungsprozess. Wir müssen lernen, mit Informationen umzuge hen, die unserer Ansicht widerspre chen. Man könnte auch sagen: Wenn Schule sich ausschließlich darauf kon zentriert, Wissen zu vermitteln, macht sie sich überflüssig. Wenn sie sich aber auf den Prozess des Lernens fokussiert, hat sie eine wichtige Funk tion. Das bedeutet konkret: Es braucht Möglichkeiten für Schülerinnen und Schüler, zusammen mit den Lehrkräf ten zu experimentieren, was Lernen mit und ohne KI ausmacht. Was funk tioniert am besten? Was schadet dem Lernen sogar? Wenn man weiß, wie man KI einsetzt, kann sie ein nie da gewesener Helfer sein. Aber eben nur, wenn. KI ist ein Instrument der Zweckmäßigkeit. Ein Wunderwerk zeug für jeden, der weiß, was er will und wie er es will. Daraus ergibt sich für Lehrkräfte eine neue Priorität: Sie müssen die Schülerinnen und Schüler mehr denn je für die Inhalte begeistern und deren Relevanz deutlich machen. Und sie müssen vermitteln, wie man KI klug und effizient zum Lernen nutzt. Wenn es für ein gemeinsames Lernen, des sen Sinn man erkennt und das nun auch mit KI gestaltet werden kann, keine Orte geben würde, dann müsste man sie jetzt bauen. Und Schulen nennen. Bob Blume Erstveröffentlichung in DER SPIEGEL 31/2026 (24. Juli 2026)

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