Blickpunkt Schule 1 2026

Werte- und Demokratiebildung in der Praxis sichtbarer machen Die hessische Initiative ‘WERTvoll’ als Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen Bildungsauftrag im Wandel →

Titelthema

Demokratische Resilienz: Weltweit stehen demokra tische Systeme unter Druck. Besonders bei jungen Menschen wächst teilweise die Akzeptanz autoritärer Strukturen. Aktive Demokratiebildung ist daher essen ziell für die Stabilität unserer freiheitlichen Ordnung. Werteorientierung: Schulen vermitteln jungen Men schen Orientierung und ein gemeinsames Verständnis von Respekt und Verantwortung – besonders in Zeiten, in denen die Bereitschaft zur Einhaltung grundlegen der gesellschaftlicher Regeln nachlässt. Mit einer systematischen Werte- und Demokratiebildung lassen sich in der Schule diese Herausforderungen für den Fortbestand der demokratischen Strukturen unserer Ge sellschaft bewältigen. Wertebildung als Erfolgsfaktor Die Empirie untermauert die Bedeutung werteorientierter Schulkultur eindeutig. Neben der unmittelbaren positiven Wirkung auf ein besseres demokratisches Gemeinwesen hat ein werteorientiertes Schulklima auch Auswirkungen auf andere Bildungsergebnisse. Wo Respekt, Verantwor tung und demokratische Teilhabe praktisch gelebt werden, entsteht ein Lernklima, das auch schulische Erfolge be günstigt. Wertebildung erweist sich damit als ein zentraler → Die hessische Initiative umfasst ein breites Spektrum prak tischer Ansätze. Dabei geht es zentral um eine Einbindung der Werte- und Demokratiebildung in die Schule als Sys tem. Sowohl im Unterricht und in der außerunterrichtlichen Bildungsarbeit als auch im Erleben von Partizipation und demokratischer Werteorientierung in der gesamten Schule gilt es, den gesellschaftlichen Herausforderungen – wie Polarisierung, Desinformation und Abwertung demokra- tischer Normen – zu begegnen. Damit ist Werte- und Demokratiebildung eine Schulentwicklungsaufgabe, die alle Elemente der schulischen Arbeit umfasst: den Unter richt, die Schulkultur, die Qualifikation des Personals und die Kooperation mit anderen Partnern. Um die Schulen bei diesem Prozess zu unterstützen, stellt die hessische Initiative ‘WERTvoll’ ein breites und praxisnahes Spektrum an Angeboten bereit. Diese lassen sich in mehrere Handlungsfelder gliedern: Qualitätsfaktor des Bildungssystems. Die Initiative ‘WERTvoll’: konkrete Maßnahmen

Die Qualität eines Bildungssystems bemisst sich nicht al lein an fachlichen Kompetenzen. In einer Zeit, in der die demokratischen Grundwerte, wie sie im Grundgesetz nie dergeschrieben wurden, von Extremen aller Couleur infra ge gestellt werden, reicht es nicht mehr aus, diese Werte alleinig an Gedenktagen in (politischen) Reden zu be schwören, sondern es gilt, diese Werte und deren Bedeu tung im Alltag der Menschen wieder sichtbar zu machen. Die Werte- und Demokratiebildung ist deshalb insbeson dere an unseren Schulen von zentraler Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund hat das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen die WERTvoll-Initiative vorangetrieben, die bereits bestehende Ansätze der Werte- und Demokratiebildung in der schulischen Praxis heraus stellt und für alle anderen Schulen zugänglich macht. Ei nes der Ziele der landesweiten Initiative ist es, nicht mit zentralen, »von oben« verordneten Maßnahmen die Wer te- und Demokratiebildung zu fördern, sondern auf die Vielfalt der schulischen Praxis zu setzen und hierfür die Schulen zu vernetzen. Zusätzlich gibt es eine Fülle von landesweiten Maßnahmen, die mit den schulischen An- geboten, die bereits bestehen oder ausgebaut werden, verbunden werden können. Die Bedeutung systematischer Wertebildung ergibt sich aus mehreren gesellschaftlichen Entwicklungen: Demografischer Wandel: In hessischen Schulen lernen junge Menschen aus über 140 Nationen zusammen. Ein verbindender Wertekanon bildet die Grundlage für ge lingenden gesellschaftlichen Zusammenhalt. Digitale Transformation: Soziale Medien prägen maß geblich die Informationsaufnahme junger Menschen. Algorithmen verstärken Polarisierung und Extremposi tionen. Digitale Medienkompetenz und kritisches Den ken sind unverzichtbare Schlüsselkompetenzen. Wirtschaftliche Anforderungen: In der globalisierten Arbeitswelt werden Sozialkompetenzen und Team- fähigkeit zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren. Die Vermittlung dieser Kompetenzen gehört zum Kern auftrag schulischer Bildung. → → → Gesellschaftliche Notwendigkeiten

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