Bildung aktuell 4/2025

Leitartikel

Aufgrund dieser Datenbasis sollen nachfolgend Zielver einbarungen zwischen Schulleitungen und Schulaufsicht geschlossen werden. Ab dem zweiten Schulhalbjahr 2025/26 sollen die ersten Zielvereinbarungsgespräche geführt werden, bis dahin wird das Schulministerium für alle beteiligten Akteure relevante Daten aufbereiten und zur Verfügung stellen.

Einführung eines speziellen digitalen Tools muss es daher klare Vorgaben geben, und es darf in keinem Fall zu einer Bewertung der einzelnen Lehrkraft kommen. Die erste Frage, die sich bei der Einschätzung der geplan ten Zielvereinbarungen mit der Schulaufsicht aufdrängt, ist: Sollen diese zusätzlich zu den Zielvereinbarungen der QA kommen (die auch bereits den Fokus auf Unterricht und Unterrichtsentwicklung hat) und denen der Start chancenschulen entsprechen? Wenn Zielvereinbarungen ihren Zweck erfüllen sollen, müssten diese von allen Un terzeichnern für sinnvoll empfunden werden, und realis tisch umsetzbar sein sowie überprüft werden. Die schuli sche Realität zeigt, dass Zielvereinbarungen letztlich eher als formal und bürokratisch empfunden werden und daher die Sinnhaftigkeit in Frage gestellt werden kann. Wir benötigen ein Um- und Weiterdenken, keine Frage, doch es darf nicht dazu führen, dass die Lehrkräfte nicht mitgenommen werden und geplante Reformen nicht mit tragen können. Es mutet an der ein oder anderen Stelle an, dass mit dem Schulkompass eine Kultur des Misstrauens, der kleinteiligen Steuerung, etabliert werden soll. Dabei sollten doch neben Schülerinnen und Schülern und der Bildung auch die Lehrkräfte im Mittelpunkt stehen. Zu dem dürfen Anpassungen nicht zu ressourcenfressenden Bürokratiemonstern werden, die uns nur von unseren ei gentlichen Aufgaben abhalten, die so essenziell für unsere Schülerinnen und Schüler sind – angemessener fachlicher Unterricht und unsere pädagogische Arbeit. Es ist in jedem Fall wichtig und richtig, dass das MSB die vielen Baustellen sieht und diese auch in Angriff nimmt. Es darf aber nicht dazu kommen, dass der Gesamtüberblick verloren geht. Vor allem müssen die wichtigsten Verant wortlichen im System, die Lehrkräfte (Schulleitungen na türlich eingeschlossen) einbezogen und mitgenommen werden sowie auch mithalten können. All die Neuerungen und Vorhaben können nicht ohne zusätzliche Ressourcen (personell und organisatorisch) umgesetzt werden, an sonsten werden wir nicht mehr mithalten können und das System - Schule und Bildung - wird kollabieren. Zu viel Bürokratie hält Lehrkräfte von ihren eigentlichen Aufgaben ab

Wie der PhV diese Schwerpunkte bewertet

Die kanadische Provinz Alberta wird im Schulkompass ex plizit als Vorbild für die datengestützte Schulentwicklung genannt und Kanada hat bei der letzten PISA-Studie tat sächlich sehr gut abgeschnitten. Es stellt sich allerdings die Frage, wie die generelle Aussagekraft der PISA-Ergeb nisse zu sehen ist. Auch wenn sie wichtige Hinweise darauf geben, wo wir stehen und in welchen Bereichen Hand lungsbedarf (v.a. in Mathematik und Deutsch) besteht, gehört zu einer erfolgreichen Verbesserung schulischer Leistungen auch immer eine multiperspektivische Ursa chenforschung sowie gezielte Förderkonzepte mit den dafür notwendigen Ressourcen. Diese erkennen wir im Schulkompass zum jetzigen Zeit punkt noch nicht. Dazu gehören u.a. der Blick auf den ge stiegenen Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Zuwan derungsgeschichte (v.a. Fehlen von Deutschkenntnissen) und der Umgang mit digitalen Medien. Wichtig ist bei die sen maßgeblichen Aspekten auch die Mitverantwortung der Schülerinnen und Schüler für ihren Lernerfolg sowie die Unterstützung der Eltern. Daher dürfen Vergleichsarbei ten nicht genutzt werden, um ausschließlich die Verantwor tung für den Lernerfolg bei den Lehrkräften zu suchen. Darüber hinaus sehen wir mit der Ausweitung eine Welle an bürokratischem Aufwand auf uns zurollen. Selbst wenn Lernstandserhebungen, wie geplant, weitestgehend digital durchgeführt werden, befürchten wir dennoch ei nen nicht absehbaren Mehraufwand. Lernstandserhebun gen müssen vorbereitet, durchgeführt, ausgewertet wer den und in individuellen Fördermaßnahmen münden. Dazu brauchen wir Zeit und Ressourcen – diese haben wir aber nicht. Das Schülerfeedback darf keinesfalls die pädagogische Freiheit der Lehrkräfte infrage stellen, sie ist ein hohes Gut des Lehrerberufs. Feedback wird ohnehin bereits von uns Lehrkräften eingeholt (bislang auf nicht standardisierte Weise). Natürlich dient es der Selbstreflektion des unter richtlichen und pädagogischen Handelns. Durch die

Der Schulkompass zum Nachlesen: https://www.schulministerium.nrw/ system/files/media/document/file/ schulkompass_nrw_2030_ dqe_broschuere.pdf

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