Bildung aktuell 4/2025
Schule & Beruf
■ Konsequenzen für Lehrkräfte
abdingbar sind. Die Möglichkeit, sich frühzeitig an das Kurssystem der gym- nasialen Oberstufe zu gewöhnen, wird ihnen genommen. Bildungsgerechtigkeit muss für alle gleichermaßen hergestellt werden und darf nicht nur den Schülerinnen und Schülern mit einem geringeren Leistungsvermögen vorbehalten sein! Ist die Auflösung der äußeren Differenzierung eine adäquate Reaktion auf die Abiturergebnisse der Gesamtschulen? Die Vermittlung der für die gymnasia le Oberstufe erforderlichen funda mentalen Kompetenzen gelingt an den integrierten Schulformen offen sichtlich nur unzureichend. Das bele gen die jährlich veröffentlichten Abi turergebnisse. Im Jahr 2024 lag die Quote der ‘Nicht-Besteher’ an den Gesamtschulen mit 8,23 % auch die ses Mal insgesamt doppelt so hoch wie die an den Gymnasien (4,12 %). Die Abiturdurchschnittsnoten und die Durchschnittsnoten der Fächer, bei denen in der Sekundarstufe I eine äußere Differenzierung vorgenom men werden könnte, fallen ebenfalls zu Ungunsten der Gesamtschulen aus. Wie viele Belege für ein nicht bega bungsgerechtes System wird das MSB wohl noch benötigen, um an den integrierten Schulformen adäquate Maßnahmen struktureller Art vorzu nehmen? Daher fordert der PhV: Wir brauchen deutlich mehr und zeitlich früher ein setzende äußere Differenzierung als weniger, um eine qualitativ angemes sene Ausbildungs- und Studierfähig keit zu garantieren.
Die für die Lehrkräfte weitreichenden Konsequenzen bezüglich der Hebung der Arbeitsleistung dürfen nicht un terschätzt werden. Dass bei der aus schließlichen Binnendifferenzierung in einer zunehmend heterogeneren Schülerschaft zu jeder Unterrichts einheit zu erreichende Kompetenzen differenziert definiert und differen ziert in mündlicher und schriftlicher Form überprüft und dokumentiert werden müssen, dass diese ohne zu sätzliche, zeitlich umfangreiche Fort bildungsmaßnahmen kaum gelingen kann, dass sie einen höheren Konfe renz- und Beratungsaufwand mit sich bringt und dass sie zu einer Überfor derung der Lehrkräfte führen wird, müsste eigentlich jeder Schulleitung bewusst sein. Diese enorm kräftezeh renden Arbeitsbedingungen werden unweigerlich einen hohen Kranken stand hervorrufen, der die eingespar ten Lehrerstellen obsolet machen wird. ■ Konsequenzen für potenzielle Oberstufenschülerinnen und -schüler Wenn Schulen zusehends weniger die Möglichkeiten der äußeren Diffe renzierung nutzen, wird nach Ansicht des PhV der Anspruch, jeden Schü ler/jede Schülerin je nach Fähigkeits niveau bestmöglich zu fördern, ad ab surdum geführt. In stark leistungshe terogenen Klassen kann wegen der begrenzten personellen Ressourcen kaum noch eine Förderung begabte rer Schülerinnen und Schüler gewähr leistet werden. Diese Schülergruppe kann sich bei ausbleibender äußerer Differenzierung nur an einer geringe ren Leistungsskala orientieren und wird somit auch eher selten Ehrgeiz und Fleiß entwickeln, die für den Be such der gymnasialen Oberstufe un
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