Bildung aktuell 4/2025
Schule & Beruf
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Jedes Kind hat das Recht auf begabungsgerechte Förderung
Am 6. Juni 2024 legte das MSB in seiner sechsten Verordnung zur Änderung der Ausbildungs- und Prüfungsordnung der Sekundarstufe I fest, dass die äußere Differenzierung und die Binnendifferen zierung nun gleichwertige Formen der Leistungsdifferenzierung an Gesamt- und Sekundarschulen seien. Man setze mit dieser Regelung den Kultusminister-Konferenzbeschluss aus dem Jahr 2022 um.
von Julia Nelleßen >> Vorsitzende des Referates Philologinnen und Philologen an Gesamtschulen E-Mail: julianellessen@gmx.de
L aut Schulgesetz § 19 beginnt der Unterricht auf zwei Anspruchs ebenen (Grundkurse/G-Kurse und Erweiterungskurse/E-Kurse) in den Fächern Mathematik und Eng lisch in Klasse 7, im Fach Deutsch in Klasse 8 oder 9, in den naturwissen schaftlichen Fächern Physik, Biologie oder Chemie in Klasse 9. Die neue Gesetzgebung zur Gleichwertigkeit von innerer und äußerer Differenzie rung verschaffe den Schulen nun neue Handlungsspielräume. Diese neuen Handlungsspielräume lösten an zahlreichen Gesamt- und Sekundarschulen einen regelrech ten Dammbruch aus, da die Schullei tungen dieser unter einem eklatan ten Lehrkräftemangel leidenden Schulen nun auf der Grundlage die ser Änderung der Prüfungsordnung ‘Lehrerstellen einsparen’ können.
Die äußere Leistungsdifferenzierung erfordert zumeist eine Einteilung in kleinere G- bzw. E-Kurse, während die Binnendifferenzierung auf der Basis einer vollen Klassenstärke, zieldiffe rente Inklusionsschüler inbegriffen, oft durch nur eine Lehrkraft erfolgen muss. Um dieses ‘Sparmodell’ zu etablieren, müssen jedoch noch die schulischen Mitwirkungsgremien überzeugt werden. Dem längeren gemeinsamen Lernen werden nun keine Grenzen mehr gesetzt Dies erfolgt unter anderem mit dem Argument, dass die innere Differen zierung die Stabilität des Klassenver bandes stärke. Schülerinnen und Schüler könnten so in ihrer gewohn ten Klassengemeinschaft gemeinsam
den Lernstoff erarbeiten. Des Weite ren erreiche man so eine größere Durchlässigkeit und Offenheit der Abschlüsse, da der Wechsel in unter schiedliche Kurse ausbleibe. Man sei auch davon überzeugt, dass das ge meinsame Lernen unterschiedlich be gabter Kinder zu besseren Lerner gebnissen führe und der wertschät zende Umgang mit allen Fähigkeiten und Begabungen ohne Ausgrenzung ein wichtiger Ansatz des schulischen Leitbildes sei. In vielen Fällen waren Schulleitungen bereits erfolgreich, ihre Ziele, die äu ßere Differenzierung gänzlich aufzu lösen oder zeitlich verzögert einset zen zu lassen, durchzusetzen. Mittel fristig wird sich jedoch zeigen, dass es sich hier eher um Pyrrhussiege zulas ten der Kollegien und der Schülerin nen und Schüler handeln wird.
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